1. Was ist das Kamishibai?

 

 

Das Kamishibai ist eine neuere Form des japanischen Erzähltheaters, durch das die mündliche Sprachproduktion, die schriftliche Textbildung und die Aufnahmefähigkeit mündlich übermittelter Informationen gefördert werden.

 

Es ist ein Bühnenmodell aus Holz für das angeleitete gesellige Erzählen, in dem eine kindorientierte Geschichte in szenischer Abfolge von Bildern präsentiert wird.

 

Das Kamishibai verzaubert die Kinder und lenkt deren Aufmerksamkeit auf das Bühnengeschehen. Es besitzt einen hohen Aufforderungscharakter zum eigenaktiven Lernen und animiert zum öffentlichen Erzählen.

 

Bei einem Einsatz in der Grundschule werden die Kinder in ihrer Sprache und Sprechtechnik (Tempo, Intonation, Modulation ...) gefördert, sie erlangen durch das Präsentieren mehr Selbstbewusstsein und dem Grundbedürfnis nach Anerkennung wird durch den Applaus Rechnung getragen.

Die Arbeit mit dem Kamishibai ermög-licht sowohl lehrer-zentrierte Unterrichtsphasen als auch schülerorientierte Sequenzen der kreativen Erzähltextproduktion und handlungsorientierten Bildgestaltung.

 

Zudem wird soziales Lernen gefördert: Vor dem Bühnenmodell versammeln sich die Kinder im Theaterkreis nah beieinander und nehmen gemeinsam am Erzählerlebnis teil.

 

2. Geschichte

 

Das Kamishibai stammt ursprünglich aus Japan. Die traditionellen Süssigkeitenhändler fuhren mit dem Fahrrad von Dorf zu Dorf und priesen den Kindern ihre Süsswaren an.

Auf dem Fahrrad hatten sie aber auch noch ein Papiertheater - das Kamishibai - installiert, mit dem sie, ähnlich den Bänkelsängern im Europa des 18. Jahrhunderts, auf grossen Papptafeln ihre Geschichten erzählten.

Um dieses Medium versammelten sich die Kinder voller Erwartung und wurden durch die Erzähl-kunst des Kamishibai-Ya (Papiertheatermann) zu aufmerksamen Zuhörern verzaubert.

 

Wie populär diese Form der Unterhaltung nach dem Krieg war, zeigt die Tatsache, dass damals 10’000 Strassenkünstler ihren Lebensunterhalt damit verdienten. Allein in Tokio waren über 20 Firmen damit beschäftigt, die gezeichneten Storys zu produzieren. Um 1950 verfolgten fünf Millionen Kinder täglich das Papiertheater, das aber Mitte der fünfziger Jahre mit dem aufkommenden Fernsehen wieder weitgehend verschwand. Viele der Kamishibai-Zeichner arbeiteten anschliessend für die wachsende Manga-Industrie, und einige populäre Figuren wurden sogar von den Manga-Magazinen übernommen.

 

Aktuell eröffnet das Kamishibai durch seine lange und bewährte Tradition unseren Kin- dern in den Schulen neue Welten. Durch seine Präsenz im Klassenraum bereichert das Kamishibai die Arbeitsatmosphäre mit fernöstlichem Flair und dessen charakteristischer Kraft aus der Stille.

Die konzentrierte Aufmerksamkeit, das aktive Zuhören wie auch die gegenseitigen Wertschätzung und Anerkennung erhalten einen hohen Stellenwert.

 

Das Kamishibai bedeutet wörtlich übersetzt: Papiertheater (kami = Papier, shibai = Theater).

 
 
 
 
 
 
 
 
3. Einsatz im Unterricht

 

Das Kamishibai eignet sich grundsätzlich zum kognitiven Wissenstransport als auch zum sozialen und kooperativen Lernen für jeden Unterricht in der Grundschule.

 

Es ist fächerübergreifend einsetzbar, für den Frontalunterricht ebenso optimal passend wie für schüler- und handlungsorientierte Lernformen der freien Arbeit oder Projektarbeit.

Die Kamishibai-Methode unterstützt kreative Unterrichtsprozesse und integriert Gefühle, es berücksichtigt die Erfahrungswelt der Kinder, regt die Fantasie an, steigert die Lernmotivation und -freude, schult die Konzentrationsfähigkeit und bildet das Gedächtnis aus.

 

Das Kamishibai ist ein Medium für ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand.

 

Es fördert speziell die Erzähl- und Präsentations- kompetenzen der Schüler.